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Sonderveröffentlichung

Tag der Pflege

Wann muss ich mir über Pflege Gedanken machen?

Ältere Menschen sollten das favorisierte Pflegekonzept einmal durchdenken und durchrechnen. Foto: Adobe/Daisy Daisy In
Ältere Menschen sollten das favorisierte Pflegekonzept einmal durchdenken und durchrechnen. Foto: Adobe/Daisy Daisy In
ES KANN GANZ plötzlich passieren: Jemand stürzt, muss ins Krankenhaus und kommt nicht mehr auf die Beine. Dann steht das Wort Pflegebedürftigkeit im Raum. Doch darüber, was in so einem Fall zu tun ist, haben viele vorher noch nie nachgedacht. „Ein Großteil der älteren Menschen geht davon aus, dass sie bis zum Schluss schon irgend- wie zurechtkommen werden“, sagt Marion Bär vom Kompetenzzentrum Alter der Universität Heidelberg. Trotzdem lohne es sich, den Gedanken zuzulassen, dass es auch anders kommen kann. „Es geht um einen Plan B.“ 

Dafür sprechen zum einen die Zahlen, sagt Bär: Die Menschen werden immer älter. Gleichzeitig steigt das Risiko, pflegebedürftig zu werden, ab 80 Jahren deutlich. Zum anderen baut es Ängste ab, wenn man sich mit dem Thema einmal auseinandersetzt und Dinge bis zu Ende denkt. „Ein Beispiel: Ich begleite eine ältere Dame, die lebt noch ganz gut zu Hause und möchte auch, dass das so bleibt. Aber sie hat sich trotzdem schon mal mit mir zusammen ein Pflegeheim ausgesucht.“ Das sei für die Frau eine Beruhigung, sagt Bär. „Denn sie weiß: Wenn was ist, dann komme ich nicht irgendwo hin.“

In einer Betreuungsverfügung lässt sich jemand benennen, der die eigenen Interessen vertritt. Foto: Adobe/dp@pic
In einer Betreuungsverfügung lässt sich jemand benennen, der die eigenen Interessen vertritt. 
Foto: Adobe/dp@pic
Entscheidung treffen

Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich über solche Sachen Gedanken zu machen? Es gibt eine Frage, die sich laut Bär unabhängig vom Alter stellt: Wenn ich mal in meiner Selbstbestimmung eingeschränkt sein sollte – wer soll dann für mich sprechen? Jemand aus der Familie, ein Freund, oder lieber jemand von außen? Einen Unfall kann jeder haben. In einer Betreuungsverfügung lässt sich für so einen Fall jemand benennen, der die eigenen Interessen vertritt.

„Hat man eine solche Person gefunden, dann sollte man miteinander reden“, rät Bär. Der andere sollte ein Gefühl dafür bekommen, wie man zu bestimmten Dingen steht. Tritt ein Fall ein, den man nicht vorhergesehen hat, sollte der Bevollmächtigte eine Ahnung davon haben, wie man wohl selbst entschieden hätte.

Pflegekonzepte betrachten

Das Thema Pflegebedürftigkeit taucht dagegen oft auf, wenn jemand anderes betroffen ist – wie die eigenen Eltern. „Das ist ein guter Anlass, sich Gedanken zu machen: Würde ich es auch so haben wollen? Was hätte ich gern anders? Und was kann ich jetzt schon dafür tun?“

Älteren Menschen rät die Expertin, das favorisierte Pflegekonzept einmal durchzudenken und durchzurechnen. „Viele Leute sagen zu mir: Wenn es nicht mehr geht, dann hole ich mir halt eine Pflegekraft nach Hause. Aber wenn man sich damit beschäftigt, merkt man häufig, dass das gar nicht so einfach ist.“ Und bei auch nur halbwegs fairer Bezahlung sei ein solches Arrangement auch nicht billig. „Ich persönlich würde dann lieber in ein gutes Pflegeheim umziehen, auch wenn mich das meine Ersparnisse kostet. Dann bin ich gut versorgt und hocke nicht einsam zu Hause.“

Auch im Gespräch mit Angehörigen sei es hilfreich und entlastend, ein wenig ins Detail zu gehen. Was Bär zum Beispiel immer wieder erlebt: Jemand ist dement und wird von seinem Partner bis weit über dessen Grenzen der Belastbarkeit hinaus gepflegt. „Ich höre dann häufig: Ich will auf keinen Fall, dass mein Angehöriger in ein Pflegeheim muss.“

Bär stelle dann die Frage, ob der andere denn gewollt hätte, dass sich sein Partner komplett aufopfert? „Deswegen ist es gut, wenn man vorher mal über verschiedene Eventualitäten gesprochen hat. dpa/tmn

Über den Tag der Pflege

Der Tag der Pflege wird jedes Jahr am 12. Mai begangen, um das Thema Pflege in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Der Tag erinnert an den Geburtstag der britischen Krankenpflegerin und Pionierin der modernen Krankenpflege, Florence Nightingale.

Digitaler Ratgeber für häusliche Pflege

„AN DEINER SEITE“ heißt ein neues digitales Angebot des Magazins „Senioren-Ratgeber“ rund um die häusliche Pflege. Motto: „Sie pflegen? Dann sind Sie nicht allein!“ Das Portal an-deiner-seite.de bereitet Informationen rund um die Pflege praxisnah auf. Außerdem kommen pflegende Angehörige zu Wort.

Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland kümmern sich um pflegebedürftige Familienmitglieder. Egal, ob es um Krankheit, Behinderung, Unfallfolgen oder Gebrechlichkeit geht, das Leben ist für die Betroffenen oft von einem Tag auf den anderen ganz anders als vorher.

„Pflege ist nicht immer leicht. In der Öffentlichkeit geht oft unter, was pflegende Angehörige tagtäglich leisten“, erläutert Claudia Röttger, Chefredakteurin des „Senioren-Ratgebers“. Man wolle aufklären und Mut machen. Der Ratgeber lotste pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen durch den Alltag – informativ und emotional unterstützend. glp

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